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Peter E. Wüthrich

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theaterleitung@schlosskellerfraubrunnen.ch

 

Privat:

peter.e.wuethrich@bluewin.ch

 

Regisseur, Buchgestalter, Werbemann und künstlerischer Leiter am Theater Schlosskeller Fraubrunnen.

Verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen, seit drei Jahren sogar Grossvater. Liebe die Oper, höre am liebsten Jazz und klassische Musik, lese gerne und liebe die italienische Küche. 

Als 1968er-Aktivist, Berner und Europäer kämpfe ich nach wie vor für eine offene und freie Gesellschaft in einer lebenswerten Schweiz.

Der Umwelt zuliebe fahren wir seit acht Jahren Toyota Hybrid und heizen nicht mehr mit Öl. 

 

Im Alter von 17 Jahren wurde ich von meinem Vater für eine kleine Rolle auf die Bühne verpflichtet. Ich hatte zu dieser Zeit weder eine Ahnung vom Theater noch eine Schauspielausbildung – aber der Theatervirus war gesetzt. Fortan spielte ich zwei- bis dreimal pro Jahr in verschiedenen Theaterproduktionen.

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Bereits während, aber vor allem nach den Berufsabschlüssen als Schriftsetzer, Handelskaufmann und Buchgestalter folgten Ausbildungen im In- und Ausland in den Sparten Dramaturgie (Uni Bern und GTG-Seminare Dr. Werner Wüthrich), Schauspiel und Regie (Bern, Köln, Zürich), Kurse in allen Sparten (Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien). Anfangs der 1980er-Jahre wechselte ich vermehrt von der Bühne hinters Regiepult.

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Neben meinen Jobs als Buchgestalter und Herstellungsleiter, Leiter von Seminaren, Tätigkeit in der WKS Bern und den Theaterinszenierungen arbeitete ich als Lektor in einem Theaterverlag, präsidierte den Stiftungsrat "Förderung der bernischen  Mundartdramatik", wirkte und wirke in Theaterleitungen mit und war nebenbei Vizepräsident und Kommunikationsverantwortlicher eines schweizerischen Theaterverbandes (ZSV 1989 bis 1996). In dieser Funktion konnte ich zusammen mit der Redaktorin Dany Tettamanti aus einem A5-Vereinsheftchen die heute bekannte Theater-Zytig gestalten. Spannend waren auch die jahrelangen Engagements im Aufsichtsrat CH-Dramaturgie, Organisationskomitee Theatertage Aarau, Internationales Theaterfestival Thun, Jurymitglied von Stück- und Theaterwettbewerben usw. 

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1996 wurde ich an die neu gegründete Gesamtschule für Theater Grenchen berufen. Zusammen mit der Theater- und Redaktionskollegin Esther Stähli-Martin aus Belp  bauten wir innerhalb von zwei Jahren die GTG zur grösste Schule für das nichtberufliche Theater in der Schweiz aus. 

2012 hatte ich genug von der Verwaltung und kehrte nach 16 Jahren Schulleitung ins Theater zurück. Seitdem entstanden viele spannende Inszenierungen und erfolgreiche Werbekampagnen. Nebenbei war meine Profession einige Jahre in der Leitung vom Theater Belp gefragt. 

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Seit 2019 bin ich im schönsten Kellertheater vom Berner Mittelland tätig und konnte die künstlerische Leitung am Theater Schlosskeller Fraubrunnen übernehmen. Eine ehrenvolle Aufgabe an einem der renommiertesten Mundarttheater zu arbeiten.

Am grossen Aargauischen-Freilicht in Windisch bin ich als Regisseur und in der Organisation engagiert.

 

Herzlichen Dank

 

An alle die zum Abschied auf den Friedhof und in die Kirche gekommen sind.

 

Für die schönen Blumen, Kränze und grosszügigen Gaben für Grabschmuck.

 

Für die vielen lieben Zeilen auf Beileidskarten und Mails die mich erreicht haben.

 

An Herrn Pfarrer Daniel Mauerhofer für die schöne, interessante und kurzweilig gestaltete Trauerfeier.

 

An die Musikerin und Organistin Frau Fränzi Braun für das Abschiedskonzert von Melodien aus Vrenis Leben:

- Winter aus den vier Jahreszeiten von Vivaldi

- La valse de l’opéra „Faust“ von Charles Gounod

- What a Wonderful World von Weiss/Thiele (Louis Armstrong)

- Klarinetten-Konzert A-Dur von Mozart

- Mazurka, du ballet Coppélia von Léo Delibes

- Russischer Tanz Trepak von Peter Tschaikowsky

- Ausgangsspiel während dem Rausgehen: It‘s a small World

 

An Frau Gabriela Krattinger für die Organisation der Bestattung und die grosse Unterstützung. 

 

 

Verena Wüthrich

Vreni lernte ich anfangs der 1970er Jahre kennen, ihre Schwester verkehrte in meiner Clique und brachte Vreni, die gerade aus England zurück kam, mit an ein Treffen. Interessante Frau dachte ich und verabredete mich mit ihr. Es gab viel zu erzählen: Vreni wuchs mit vier Geschwistern im Gurtenbühl auf, absolvierte in Wabern die Prim- und Sekundarschule. Mit 16 verliess sie das Elternhaus und arbeitete als Office Girl in den Spitälern Le Locle und Chaux-de-Fonds, jobbte als Spitalhilfe in Interlaken und im Frauenspital Bern.

Damals konnte der Beruf der Krankenschwester und der Operationsschwester erst ab 19 Jahren erlernt werden.

Nach der fünfjährigen Ausbildung in Langenthal arbeitete sie zwischen ihren Reisen durch Europa, Nordafrika und den Nahen Osten in den OP-Stationen von Zweisimmen, Wattenwil und Männedorf. Durch einen Sprachaufenthalt in Bournemouth im Süden von England wurde sie Fan der Briten und blieb etwas länger auf der Insel. Arbeitete in Spitälern von Bournemouth und London, bereiste ein Jahr lang Wales und vor allem Schottland.

Nach ihrer Rückkehr jobbte Vreni über die Weihnachtszeit bei ihrer Schwester in einer Berner Kleider-Boutique, bis sie die neue OP-Stelle im Kantonsspital Liestal antreten konnte. Vreni lebte in Liestal, ich in einer WG in der Neugengasse von Bern. Jeder lebte sein Leben, ein bis zweimal pro Monat trafen wir uns bei mir oder bei ihr. Vreni bereiste weiterhin mit ihrer Freundin aus Bournemouth die Welt.

Nach drei Jahren zog Vreni etwas näher zu mir, ins Spital von Niederbipp, ein Jahr Kibbutz in Israel sagte sie ab und wechselte ins Inselspital Bern. „Hast du eine Wohnung?“, „Nein, muss ich noch suchen“. „Kannst bei mir wohnen“, „Lieber nicht, es ist gut so wie es ist“. Vreni fand kurzfristig keine Wohnung und zog vorübergehend bei mir in Belp ein. „Höchstens ein oder zwei Monate“ meinte sie. Nach einigen Monaten stellten wir fest, es geht, wir können sogar zusammenleben.

Eine grössere Wohnung musste her, aber da gab es noch das Konkubinatsverbot. Als aktive 68er hatten wir das Fräulein längst abgeschafft und da Vreni auch Wüthrich hiess, stellte ich sie jeweils als Frau Wüthrich vor. Wir konnten die Wohnung auslesen. Gemeinsam zogen wir nach Mittelhäusern, blieben aber beide unabhängig, zwei Autos, zwei Bekanntenkreise, dafür jetzt eine gemeinsame Wohnung und gemeinsame Ferien. Bei Vrenis Nachtschichten sahen wir uns jeweils eine Woche nicht und kommunizierten über die Zettel am Kühlschrank. Manchmal begrüsste mich beim Aufstehen auch das OP-Team beim Frühstücken in unserem Wohnzimmer.

1974 planten wir einen längeren Amerikaaufenthalt. Ein paar Tage vor Abflug diskutierten wir über die Zukunft. Unsere Interessen deckten sich, Kunst, Musik, Theater, Politik, Gesellschaft. Vreni war ein Nachtmensch wie ich, ihr Lieblingstier war die Eule.

Wir stellten uns folgende Fragen: Wollen wir zusammenbleiben? Wenn ja, wollen wir Kinder? Wenn ja, wollen wir heiraten? Machen wir. Am anderen Tag auf dem Standesamt „Was? In zehn Tagen? Geht nicht, zu kurz“, „Es ist dringend!“, „OK, aber ihre Frau muss heute noch unterschreiben damit wir den Aushang ins Kästchen machen können“. Vreni machte eine Stunde frei und wurde mit Interesse empfangen, alle schauten nur auf ihren Bauch. Ich entwarf noch am selben Tag eine Heiratskarte, der Kunstmaler Steffen zeichnete die Illustrationen und zufällig hatte mein Arbeitskollege eine Woche zuvor in Basel eine Frau kennengelernt. Telefon, sie hat zugesagt und wir hatten unsere Trauzeugen.

31. Mai 1974, 14.00 Uhr, Standesamt Bern: Champagner, dann musste meine Frau auf die Nachtschicht und ich durfte mit den Trauzeugen essen gehen. Am Samstag wurden die Kuverts mit dem Inhalt «Wir haben geheiratet» adressiert und am Sonntagnachmittag startete die Maschine von Zürich nach Amsterdam, Toronto, Vancouver.

Unser Zusammenleben funktionierte, wer hätte das gedacht, und langsam gab es einen dritten Bekanntenkreis in dem wir uns gemeinsam bewegten. Am 10. Juni 1975 wurde unser Sohn Pascal Andreas geboren, drei Jahr später am 1. September 1978 kam Jan Marc auf die Welt. Nun verliess Vreni für fast zehn Jahre das Inselspital und kündigte die Dozentenstelle an der Berufsschule für OP-Technik. Sie gründete in Mittelhäusern eine Kinderkrippe und war nun so viel wie möglich mit unseren Söhnen und meiner Schwester unterwegs, die als Rallyefahrerin für die Sicherheit meiner Familie sorgte.

Zu viert zogen wir dann in eine tolle Wohnung in Wabern der Gemeinde Bern und als die Söhne grösser wurden, konnten wir gleich vis-à-vis in eine 5 ½ Zimmer-Wohnung umziehen.

Nach zehn Jahren folgte Vreni dem Ruf ihrer Kolleginnen und wechselte wieder in den OP-Saal des Inselspitals.

Ganz wichtig blieb für sie das Reisen, so oft es ging fuhren wir mit unseren Söhnen nach Südfrankreich, in die Bretagne oder nach Italien, im Winter in die Alpen oder Jura. Als die Kinder grösser wurden, erweiterten wir bzw. erweiterte Vreni die Ausflüge auch auf die grossen Metropolen von Marseille bis Strassbourg, von Lyon, Paris bis Brest oder von Genua bis Venedig und von Mailand bis Rom. Als die Kinder aus der Schule kamen, war gerade Österreich das Ziel von Vrenis Neugierde, eines der wenigen Länder in Europa das Vreni nie bereiste. Pascal war bereits nicht mehr dabei, Jan machte noch zwei Touren nach Salzburg und Wien mit.

Die Söhne gingen ihre eigenen Wege, Vreni und ich konnten wieder spontan Auszeiten nehmen. Auch einige wiederkehrende Anlässe wurden über Jahre feste Bestandteile unserer Ausflüge, wie zum Beispiel die Kunst-Biennale in Venedig.

Daneben pflegte sie ihren alten Bekanntenkreis aus der Sekundarschule Wabern, Pflegeschule Langenthal und die Bekannten aus all ihren Arbeitsstationen. Vreni machte Ausflüge und besuchte mit ihrer Freundin aus England weiterhin Kunstausstellungen und Museen. Ballonfahren und Besuch der alten Heimat London gehörten ebenso dazu. Selbstverständlich war sie auch an jeder meiner Theaterpremieren anwesend. Sie begleitete mich ins Theater, ich sie ins Konzert.

1998 zogen wir nach Jegenstorf. Anfänglich wohnten unsere Söhne noch mit uns, Jan Marc hatte gerade seine Lehre abgeschlossen und Pascal Andreas war noch im Informatikstudium.

Der Auszug der beiden Söhne war nicht leicht zu verkraften, Vreni musste sich wieder mit mir begnügen. Nach der Pensionierung konnte sie die Leidenschaft für die Kunst ausleben. Zusammen mit Ihrer Freundin plante sie ein oder zwei Ausflüge pro Woche an die schönsten Orte der Schweiz und besuchte vor allem die geliebten Kunstausstellungen und Museen. Zusammen mit unserer Schwiegertochter und den beiden Söhnen machte Vreni 2014 eine letzte grosse Reise nach New York. Zur Sicherheit nahm sie da bereits einen Gehstock mit.

Die langjährige Psoriasis-Arthritis Erkrankung schränkte die Beweglichkeit immer mehr ein und zwang Vreni letztendlich an den Rollator und später in den Rollstuhl. Aufgeben war nie ein Thema, es geht weiter. Mit der Diagnose Brustkrebs vor einem Jahr begann der letzte und dramatischste Abschnitt. Was mit viel Optimismus begann, wurde zu einer Aneinanderreihung von Hiobsbotschaften. Ihre letzte Station war die Palliativ-Abteilung des Tilia Wittgikofen, wo Vreni eine grosse Empathie und Fürsorge durch das Pflegepersonal erleben durfte. Am 18. Februar, kurz nach meinem Eintreffen um 10:30 Uhr, verstarb Vreni in meinem Beisein.

 

Vreni war eine selbstbestimmte, humorvolle Frau. Sie konnte ironisch sein, aber auch sarkastisch und traf immer ins Schwarze. Wir vermissen Dich.